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Abenteuer Sibirien von Katrin Dulitz Anfang August 2006 begab sich eine Gruppe von 13 jungen Erwachsenen auf eine 3000 km lange Reise, die sie in die sibirische Taiga führte. Die Fahrt fand im Rahmen eines Jugendaustauschs mit dem kleinen westsibirischen Ort Kazym statt, der seit zwei Jahren vom Jugend- Umweltnetzwerk JANUN und der BUNDjugend Berlin organisiert wird. Für 2007 ist daher ein Rückaustausch sibirischer Jugendlicher nach Deutschland geplant. Die Anreise über Moskau wurde genutzt, um Sehenswürdigkeiten wie den Roten Platz zu besichtigen. Ein Treffen mit den Leitern der Organisation RAIPON, die sich für die Belange der indigenen Bevölkerung Russlands einsetzt, gab erste Aufschlüsse über deren Lebenssituation. Die anschließende mehrtägige Zugreise und eine Fährfahrt auf dem Fluss Ob hin zum eigentlichen Ziel vermittelten erste Eindrücke der Weitläufigkeit des Landes. Nach dem schaurigen Koloss Moskau mit dem ohrenbetäubenden Lärm der Metro war der warmherzige Empfang in der 1700-Seelen-Gemeinde Kazym die willkommene Abwechslung. Untergebracht in Gastfamilien, erfuhren die Teilnehmer Herzlichkeit, Entgegenkommen und die üppige russische Kost. Der Ort Kazym war erstaunlich anders als erwartet. Da ein großer Anteil der Bevölkerung chantischer und mansischer Abstammung ist, vermischen sich Tradition und Moderne auf einzigartige Weise. Neben klassischen sibirischen Holzhäusern ohne fließendes Wasser, mit Außentoilette und Banja - der russischen Version der Sauna - sind Reihenhäuser und relativ moderne Autos keine Seltenheit. Es gibt eine moderne Schule und ein Krankenhaus. Das Klingeln von Handys ist allgegenwärtig. Dass die indigene Kultur lebendig erhalten wird, bewiesen ein Besuch des ethnologischen Museums und ein Treffen mit Sportlern und mehrfachen Rekordhaltern nordischer Disziplinen in Kazym. Die Gruppe hatte zudem die Möglichkeit am 7. "Parlament der Völker" teilzunehmen. Bei dem fünftägigen Treffen kommen jährlich überwiegend jugendliche Indigene zusammen, um über Aspekte ihrer Kultur zu diskutieren. Es herrschte ausgelassene Stimmung, obwohl konstruktive Debatten über das Thema Ethnotourismus einen Großteil der Zeit ausfüllten. Die Abende klangen mit Theater, traditioneller Musik und am Lagerfeuer aus. Ein besonderes Highlight war das Nachtquartier. Geschlafen wurde im traditionellen, mit Rentierfellen ausgelegten, nomadischen Zelt, dem Tschum. Das wahre "Abenteuer Sibirien" bildete eine Bootstour auf dem Fluss Kasym und dessen Seitenarmen. Zwei Holzboote waren mit Blockbohlen zu einem Katamaran verbunden worden. Neben zwei Motorbooten und einem weiteren Holzboot diente es als Haupttransportmittel. Der zauberhafte Anblick der unberührten Natur mit seinen moosbewachsenen, von Birken durchsetzten, Nadelwäldern wurde nur ab und an durch einen Schwall Flusswasser verdorben, der über die Seitenwände des völlig überladenen Katamarans schwappte. Das "Basislager" bildeten zwei Blockhäuser und ein Tschum, die zusammen mit einer Banja und einer großen Kochstelle ein Volleyballfeld umstellten. Dort verbrachte die Gruppe, zu der neben den Deutschen eine etwa gleichgroße Anzahl sibirischer Jugendlicher gehörte, die beiden ersten Nächte. Zwei Abende gingen ohne den Komfort eines wärmenden Ofens, dafür in Zelten direkt am Lagerfeuer zu Ende. Das Wetter war ein stetiger Wechsel zwischen sonnigen Tagen mit nächtlichem Sternenhimmel und, von grauen Wolken mit Nieselregen, durchsetzten Tagen. Trotzdem oder gerade deshalb war überall Harmonie zu spüren. Obwohl die verbale Verständigung schwer fiel - nur drei deutsche Teilnehmer konnten Russisch - war der gegenseitige Austausch über Mimik, Gestik, gemeinsame Musik und Spiele mehr als gegeben. Weder Krankheiten noch die teils lähmende sibirische Geduld konnten die Stimmung trüben. Einzig die Mücken verdarben so manchen schönen Augenblick. Jeder Gang zur Toilette musste in der freien Natur wohlüberlegt sein, da er von einem halben Dutzend Mückenstichen begleitet wurde. Dass sich das Wasser für den schwarzen Tee nur unwesentlich vom Endprodukt unterschied, wurde schweigend hingenommen. Fettige Haare und "Katzenwäsche" am Morgen waren Routine. Nach dem Besuch der Stadt Oberkazym und einer abschließenden Nacht bei den Gastfamilien endete die Fahrt wie sie begonnen hatte- mit einer langen Bahnfahrt heimwärts. Während der Bootstour wurde die Gruppe von einem Kamerateam begleitet, dessen Filmbeitrag zur Reise voraussichtlich im September in der RBB- Sendung "Ozon" zu sehen sein wird. Katrin Dulitz |
